Hilpoltsteiner

Flecklasmänner e.V.

Brauchtumsumzug/-pflege/Jugendarbeit

Wie so viele alte Brauchtümer liegen viele Erzählungen und das Wissen darüber in der Vergangenheit…

Einer der sehr alten Brauchtümer ereignet sich seit hunderten von Jahren in Hilpoltstein zur Faschingszeit. Eigentlich ist es kein Fasching im karnevalistischen, rheinischen Faschingssinn. Es ist vielmehr das Vertreiben des Winters, was von dem Flecklasmo, eigentlich viele Flecklasmänner in Hilpoltstein gelebt wurde.

Mit dem Beginn der hellen Tage werden seit jeher Feste gefeiert und Bräuche begangen, um sich so von den kalten Monaten zu verabschieden. Früher sehnten die Menschen das Ende der langen und dunklen Wintermonate herbei. Denn: Während des Winters ruhte die Vegetation, es gab zuweilen sehr wenig, sowie eintönig zu essen und man musste mit den Vorräten zurechtkommen. Der Ursprung des Brauches liegt wohl in religiösen Verankerungen und auch vormals heidnischen Bräuchen. In der spärlichen Zeit wurden viele „Heischebräuche“ praktiziert, bei denen es in der enthaltsamen Zeit, am Ende des Winters, um das Bitten und Betteln von Gaben ging.

Der Flecklasmo hatte eine Peitsche, mit der er den Winter hinweg peitschte, an seinem Gewand, zu dem man heutzutage Kostüm sagen würde, trug er Rauten in der Farbe Rot – das Symbol für das Neue und den Frühling. Die Larve ist die Maske, die er über dem Gesicht trug. Der Begriff Larve ist sehr alt, kommt aus dem Latein und bedeutet „der Geist, die Erscheinung“.  Das Sprichwort „entlarven“ zeigt auch die Bedeutung der Gesichtsbedeckung: Der Träger der Larve wollte nicht von dem Bösen, dem Winter erkannt, also „entlarvt“ werden. Auch heute noch nehmen die Flecklasmänner, die mittlerweile in einem Verein organisiert sind, nur voreinander, in dunklen Ecken ihre Larve ab, damit sie nicht von dem Winter erkannt werden.

Im Laufe der Jahre kam ein Strohbär, der „Löll“, zu dem Brauchtum hinzu. Dieser symbolisierte den Winter und wurde, in der heutigen Zeit bekannten Faschingsdienstag, am Marktplatz symbolisch als Strohpuppe verbrannt. In alten Aufzeichnungen vor fast 230 Jahren fand der Verein Hilpoltsteiner-Flecklasmänner e.V. Berichte über das Verbot des Lölls, des Strohbären. Die Kirche war in der beginnenden Neuzeit sehr skeptisch, den doch so heidnisch anmutenden Bräuchen gegenüber eingestellt. 2015 wurde er trotzdem vom Verein, nach 222 Jahren, am ersten Brauchtumsumzug, wieder ins Leben gerufen.

Die Flecklasmänner zogen am heute bekannten „unsinnigen Donnerstag“ von Wirtschaft zu Wirtschaft und forderten Tribut für das Wintervertreiben ein. Sie bekamen Getränke und Essen. In der heutigen Zeit erscheint das als banal, doch in der damaligen Zeit war es für die Menschen, welche sich hinter den Larven verbargen eine Gelegenheit an eine Mahlzeit und ein kostenloses Bier zu kommen. Sie mussten sich auch nicht schämen, denn niemand erkannte, wer sich hinter den Larven verbirgt.

Da es eine arme Zeit war, hatten die Menschen oftmals nur das Nötigste, die Larven und das Gewand wurden oft in der Familie weitergegeben. Durch das Tragen nutzten sich die roten Rauten an dem Gewand ab und wurden durch Stoffflecken ersetzt. Es wurden Stoffreste einfach zusätzlich zu den Rauten, oder eben als Ersatz, auf das Gewand aufgenäht. So entstand das bunte Fleckengewand. Nach dem Krieg geriet der uralte Brauch fast in Vergessenheit. Die Familie Brunner, mit der Familie Glossner und einer Handvoll  anderen,  führten aber den Brauch weiter. Wer von den alteingesessenen Hilpoltsteiner kennt ihn nicht? Den Flecklasmo Karl Brunner?

Der Flecklasmo ging von Wirtschaft zu Wirtschaft, von landwirtschaftlichem Anwesen zu Anwesen und bekam Essen, oftmals nahm er sich dies mit und gute Gespräche fanden an den Türen statt.

Unsere alteingesessenen Hilpoltsteiner erinnern sich gewiss noch daran, wie an jedem Unsinnigen-Donnerstag die Flecklasmänner am Marktplatz ihr Unwesen trieben.

Dabei liefen sie Peitsche knallend von Gasthaus zu Gasthaus, um dort ihren Lohn für das Winteraustreiben in Form von Bier und Essen zu erhalten. Waren es viele Flecklasmänner, ging es den Leuten schlecht und sie sicherten sich damit ein Essen. Wenn jedoch wenige Flecklasmänner liefen, war genug Nahrung vorhanden.

Nachmittags machten sich die Kinder einen Spaß daraus und riefen den Flecklasmännern einen Spruch hinterher, daraufhin wurde der Flecklasmo natürlich sauer und rannte ihnen Peitsche knallend hinterher. Die Kirchentreppen dienten den Kindern dazu, sich auszuruhen, denn der Flecklasmo darf und durfte die Treppen nicht besteigen.

Die erste Strophe aus dem Flecklasmo-Spruch, der von so vielen Kindern in all der Zeit aufgesagt wurde:

„Flecklasmo, hast Klamperla dro,
hast all derfrorn, bist bucklert worn.
Gänskrong, Saumogn, derf ma nimmer song.
Hast um fünfasieberzg Pfenning Backstakäs im Mogn.
Gänskrong, Saumogn, derf ma nimmer song.“

 Klamperla bezeichnet die Schneebutzen an den Borten am Gewand. Die anderen Bezeichnungen sind sicherlich, dem fränkisch-mächtigen, nach einiger Recherche schlüssig.

Viele Jahre lang gab es in Hilpoltstein nur noch einen Flecklasmo, Karl Brunner, dann kamen die Söhne hinzu, doch der Brauch drohte auszusterben.

Im Jahr 2007 taten sich neben Katrin Schade, ihren Mann Marc, deren Eltern, Bruder Sascha Schleicher und noch zwei Freunden auf, den Verein Hilpoltsteiner Flecklasmänner e.V. zu gründen. Die Schleicher´s entstammen einer alten Larvenschnitzerfamilie aus zuletzt Pleinfeld, zuvor dem benachbarten Spalt. Auch in diesen Gebieten ist das Wintervertreiben eine jahrhundertealte Tradition.

Seither wuchs der Verein auf passive und aktive Mitglieder an. Derzeit sind in dem Verein 39 Mitglieder.

Der Verein wurde gegründet, um das Brauchtum „Flecklasmo laufen“, wieder in seiner ursprünglichen Form in Hilpoltstein aufleben zu lassen und das alte Brauchtum zu erhalten.

Der Verein Hilpoltsteiner-Flecklasmänner e.V. machte es sich zur Aufgabe, in die Kindergärten zu gehen, das uralte Brauchtum der nächsten Generation zu zeigen, die Angst vor den doch für Kinderaugen gruseligen Gestalten zu nehmen und – auch den Brauch von den benachbarten Vereinen den Kindern zu zeigen. Im Gepäck sind Larven von Spalter Fleckli, den Pleinfelder Hummeln, dem Solimu und anderen, dem Winter vertreibenden Gruppen.

Das uralte Flecklasmo- laufen wird durch den Verein fortgeführt. Die Flecklasmänner treffen sich am Unsinnigen erst in ihrem Vereinsheim, dann laufen sie von Wirtschaft zu Wirtschaft. Sie peitschen den Winter vor sich her, vertreiben ihn mit lautem Knall ihrer Kuhpeitsche. Dafür fordern sie wie jeher am „Unsinnigen“ und auch am Rosenmontag ihren Tribut ein. Trinken und Essen für ihren schweren und gefährlichen Dienst.

Um den uralten Brauch des Flecklasmos auch einer breiten, weiter entfernten Bevölkerung zu zeigen beteiligen sich die Flecklasmänner, seit ihrer Gründung, an Brauchtumsumzügen. Faschingsumzüge finden als Ausnahme statt. Eine Fußgruppe geht oft in Anbetracht der großen Gespanne unter, weshalb die Flecklasmänner meist nur auf echten Brauchtumsumzügen zu sehen sind. 2019 waren sie jedoch am großen Nürnberger Faschingszug und jedes Jahr sind sie in Eckersmühlen, am Faschingsdienstag zu sehen. Die Flecklasmänner sind auf vielen regionalen, aber auch überörtlichen Umzügen beteiligt, sie waren sogar auf einem Perchtenumzug in den Rauhnächten im Bayerischen Wald, in der Schwäbisch-Allemannischen Fosnacht in Wäschenbeuren und vielen, wechselnden Umzügen. Sie hatten sogar 2016 Rederecht im Bayerischen Landtag. Natürlich als Maschkera an einem gesonderten Termin, denn ein echter Flecklasmo brummt, raunzt nur unter seiner Larve, es wäre viel zu gefährlich vor dem Winter seine Stimme preis zu geben.

Seit dem Jahr 2020 unterstützen die Hilpoltsteiner Flecklasmänner Josef Brunner am Unsinnigen Donnerstag in der Schule und beim Bonbonauswerfen am Faschingsdienstag.

Im Jahr 2015 veranstalteten die Hilpoltsteiner Flecklasmänner e.V. ihren ersten Brauchtumsumzug, hier wurde nach genau 222 Jahren erstmals der Löll wieder gezeigt und läuft seit dieser Zeit auch nur in Hilpoltstein mit.  Seither – bis zum Corona Jahr 2021 – veranstalteten sie 6 Brauchtumsumzüge. Im Jahr 2019 war der Bayerische Ministerpräsident zugegen, um sich den Brauch anzusehen. Auch Schneefall war dabei. Der Brauchtumsumzug 2020, mit interessanten Partnergruppen – bis aus den Bayerischen Alpen und Österreich, bescherte vielen Interessierten, ein schön, schauriges Spektakel, die den aus 30 Gruppen bestehenden Umzug ansahen.

Der Verein, wo jeder jeden kennt, veranstaltet alljährlich den Verkauf der „Sauren Zipfel,“- einer gebrühten Bratwurst am Hilpoltsteiner Weihnachtsmarkt. Dadurch wird der Brauchtumsumzug, als meist einzige Einnahmequelle, finanziert. Die Gruppen laufen im Gegenzug zu Gegenbesuchen kostenlos mit, doch die Musik, meist Guggenmusik muss finanziert werden. Sie ist unerlässlich für Stimmung, aber die Kosten hierzu muss der Verein stemmen. Zudem, auch das „Brauchtumsheft zum Umzug“, welches dankenswerterweise durch örtliche Firmen finanziert wird, in einer Auflage von 1.000 Stück, wird es am Umzug verteilt, liegt zuvor als Werbung für den Umzug in den Firmen aus, in Tourist Informationen und wird an die teilnehmenden Gruppen verteilt.

Der Verein beschränkt sich aufgrund der wenigen Mitglieder auf die üblichen Vereinssitzungen, außerhalb der Faschingszeit, ein Sommerfest und manches Jahr auf einen Vereinsausflug. Die Fahrten zu befreundeten Umzügen werden mittels gemietetem Bus, mit eigenem Fahrer gestemmt, dennoch fallen Kosten an.

Oftmals tauchen die Flecklasmänner auf einer Faschingsfeier auf, fordern nur, wie jeher, Essen und Trinken.

Das Gewand ist in jedem Privatbesitz. Oft schneiden die zukünftigen Mitglieder ihre Rauten, mind. 2.000 an der Zahl, selbst aus. Die Borte an dem Gewand wird mittels eines alten Apparates, bestehend aus 5 Fäden geknüpft, aufgeschnitten und angenäht.

Die Larve aus Holz schnitzt der 1. Vorstand Katrin Schade. Sie schnitzt nach alter Tradition 20-25 Stunden an einer Larve, natürlich kann sich jeder seine Larve selbst schnitzen, sie sollte aber so ähnlich, wie möglich, den anderen Gleichen. Will man dazu ein komplettes Gewand, fallen 60-65 Arbeitsstunden mühevoller Handarbeit an.

Es gab einmal ein Jahr vor Corona… aber es gab viele Widrigkeiten in den letzten Jahren, Jahrzehnten und Jahrhunderten…

Brauchtum lebt von den Menschen, die es weiterführen, über Jahre, Jahrzehnte, Jahrhunderte hinweg. Brauchtum lebt von Aufrechterhaltung von Tradition.

Der Verein Hilpoltsteiner Flecklasmänner e.V. wünscht allen Lesern eine gute, außergewöhnliche Faschingszeit. Der Flecklasmo, die Flecklasmänner werden den Winter vertreiben. Dieses Jahr einzeln, anders, Corona konform… jedoch- der Winter wird vertrieben.

Wir sind die Frühlingsboten.

Wir tragen die Zeichen für das Neue und den Frühling an unserem Gewand.

Die Raute und die Farbe Rot symbolisieren dies.

Wir peitschen für Euch den Winter hinaus. Wir sind die Flecklasmänner, wir bringen den Frühling in Euere Leben. Auch in Deines.

Gerne können Sie uns mit Spenden unterstützen, bitte an:

Sparkasse Mfr. Süd, IBAN: DE11 7645 0000 0221 3199 99

Oder Sie werden Mitglied, jeder ist herzlich Willkommen.

Bilder finden Sie unter:

https://hilpoltsteiner-flecklasmaenner.de/mediathek/

Ein dreifaches:

Hip Hip Hurra. Hip Hip Hurra. Hip Hip Hurra

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